Die deutsche Faustball-Nationalmannschaft hat bei der Europameisterschaft im dänischen Tondern die Silbermedaille gewonnen. Im Finale musste sich der Titelverteidiger Österreich mit 0:4 (11:13, 3:11, 5:11, 4:11) geschlagen geben. Mit Hauke Spille und Johannes Jungclaussen waren zwei Faustballer des TV Brettorf wichtiger Bestandteil im deutschen Team – und hatten auch bei Halbfinal-Krimi gegen die Schweiz entscheidenden Anteil am Sieg. Ebenfalls Teil der deutschen Delegation war der vor dem Turnier verletzte TVB-Defensivspezialist Tom Hartung, der das Team von der Bank aus unterstützte.
Vorrunden-Start
Bereits in der Vorrunde präsentierte sich die deutsche Mannschaft mit guten Leistungen . Allerdings bekam der Titelverteidiger schon früh einen Vorgeschmack auf seinen späteren Finalgegner: Gegen Österreich musste sich Deutschland 0:3 geschlagen geben. Auch gegen die Schweiz lieferten sich die Deutschen bereits ein enges Duell. Für die beiden Brettorfer verlief das Turnier dabei von Beginn an erfolgreich. Mittelmann Hauke Spille und Angreifer Johannes Jungclaussen gehörten zum deutschen Aufgebot und waren maßgeblich am Weg in die K.-o.-Runde beteiligt. Deutschland zog als Gruppenzweiter in die Finalrunde ein.
Halbfinale wird zum Nervenkrimi

In der Mittagshitze von Tondern wartete im Viertelfinale Belgien. Deutschland ließ dabei wenig Spannung aufkommen und feierte so einen ungefährdeten 3:0-Erfolg.
Im Halbfinale kam es derweil zur Neuauflage des Vorrundenspiels gegen die Schweiz. Deutschland begann mit Johannes Jungclaussen, Kapitän Maximilian Lutz, Fabio Lauck, Hauke Spille und Jakob Kilpper. Der Start gehörte allerdings den Schweizern. Sie nutzten ihre Chancen im Angriff konsequenter und gingen schnell mit 4:0 beziehungsweise 6:2 in Führung. Eine frühe deutsche Auszeit brachte zunächst keine entscheidende Wende. Angreifer Dominik Rhyn setzte Deutschland mit variablen Angaben unter Druck, während die Deutschen selbst einige Fehler produzierten (5:11). Deutschland fand anschließend besser ins Spiel, erhöhte den Druck im Angriff und stabilisierte seine Abwehr. Damit gelang dem Team von Bundestrainer Olaf Neuenfeld, die Partie in eine 2:1-Führung zu drehen (11:6, 11:8).
Die Schweiz glich mit 11:5 wieder aus und drehte anschließend sogar einen zwischenzeitlichen deutschen Fünf-Punkte-Vorsprung im fünften Satz zum 11:9. Deutschland stand damit mit dem Rücken zur Wand. Doch die Mannschaft bewies große Moral: Nach einem 1:6-Rückstand im sechsten Satz kämpfte sich der Titelverteidiger zurück, wehrte beim 9:10 einen Matchball ab und gewann den Durchgang noch mit 12:10.
Im Entscheidungssatz blieb es bis zum Schluss spannend. Deutschland setzte sich beim 9:6 erstmals entscheidend ab und erspielte sich nach einem Punkt von Jakob Kilpper drei Matchbälle. Den Einzug ins Finale machte schließlich Johannes Jungclaussen perfekt: Mit einem Rückschlag der TVB-Angreifer für den 11:8-Erfolg.
Österreich beendet die Titelträume
Im Endspiel wartete mit Österreich ausgerechnet die Mannschaft, gegen die Deutschland bereits in der Vorrunde verloren hatte. Rund 1.800 Zuschauer sorgten im Bankparken für eine beeindruckende Kulisse. Deutschland erwischte den besseren Start und führte mit 4:0. Österreichs Teamchef Siegfried Simon reagierte früh mit einer Auszeit. Danach entwickelte sich der erste Satz zu einem offenen Schlagabtausch. Beim 10:8 hatte Deutschland zwei Satzbälle, konnte aber keinen davon nutzen. Stattdessen drehte Österreich den Satz und gewann ihn mit 13:11.
Anschließend übernahmen die Österreicher immer mehr die Kontrolle. Karl Müllehner und Martin Pühringer im österreichischen Angriff fanden zunehmend Lösungen gegen die deutsche Defensive und nutzten den harten Boden geschickt aus. Ihre Bälle sprangen immer wieder gefährlich auf und sorgten dafür, dass die deutsche Abwehr kaum noch ins Spiel kam. Deutschland versuchte, mit mehr Risiko in den Angaben den Druck zu erhöhen. Doch dadurch stieg auch die Fehlerquote. Die Sätze zwei, drei und vier gingen deutlich mit 11:3, 11:5 und 11:4 an Österreich.
Silbermedaille als Lohn für ein starkes Turnier

Österreich krönte damit eine beeindruckende Europameisterschaft und feierte nach 16 Jahren wieder einen EM-Titel. Für Deutschland blieb die Silbermedaille. Entsprechend groß war nach dem Finale zunächst die Enttäuschung, doch die Leistung des neuen Europameisters wurde auch im deutschen Lager anerkannt. „Natürlich sind wir enttäuscht. Aber wir müssen uns eingestehen, dass Österreich ganz stark gespielt und am Ende hochverdient gewonnen hat“, erklärte Hauke Spille.
Lob erhielt derweil der Ausrichter. Erstmals fand eine Europameisterschaft auf dänischem Boden statt – und wurde zu einem großen Erfolg. „Das Turnier war super organisiert. Das Stadion ist cool, und die Stimmung war top“, so Spille.
