DM-Serie: Bei der Premiere 1982 fehlt nur die Medaille

18. Juni 2020

"Man muss einmal in seinem Leben an einer Deutschen Meisterschaft in Brettorf teilgenommen haben". Dieser Satz, der schon einmal unter süddeutschen Faustballern gefallen ist, ist wohl das größte Kompliment, das ein Faustballverein als Organisator hören kann. Von 1982 bis 2017 war der TV Brettorf bisher sieben Mal Ausrichter einer Deutschen Meisterschaft. Jede DM war dabei auf ihre ganz eigene Art besonders - sei es für Spieler, Trainer, Offizielle oder Fans. Gemeinsam mit damaligen Protagonisten blickt der TVB auf die bisherigen DM-Austragungen zurück.

6. und 7. März 1982: Deutschland ist seit 33 Jahren geteilt in Ost und West, Helmut Schmidt ist Bundeskanzler der BRD, die US-amerikanische Schauspielerin Jessica Biel hat drei Tage zuvor das Licht der Welt erblickt und der Song „Skandal im Sperrbezirk“ von der Spider Murphy Gang ist auf Platz eins der deutschen Charts.

Für den TV Brettorf sind das alles aber nur Randnotizen. Schließlich steht ein sportliches Ereignis an, das es für den Verein in dieser Form noch nicht gegeben hat: Zum ersten Mal richtet der TVB eine Deutsche Meisterschaft aus. Da die Neerstedter Sporthalle den Anforderungen nicht genügt, weichen die Schwarz-Weißen in die Kreisstadt nach Wildeshausen aus. Zu Gast sind die besten männlichen Schülermannschaften – und der TVB ist als Gastgeber auch mit einem Team vertreten.

Ein Spieler aus dem Brettorfer Kader ist Jens Hasselberg. Er hat 1976 als Erstklässler mit dem Faustballsport begonnen. „Heino Kreye hat damals einen Aufruf in Brettorf gemacht“, erinnert er sich. Im August absolviert er seine erste Trainingseinheit. „Wir waren damals eine ziemlich große Gruppe“, sagt Hasselberg. Aus diesem Kader entwickelt sich später auch die Mannschaft der Heim-DM. „Heino hat uns nach und nach aufgebaut“, sagt der Brettorfer. Am Spielbetrieb nahmen die jungen TVB-Faustballer erst ab der U12, der damaligen D-Jugend, teil. „In den Jahren davor ist Heino mit uns aber zu unzähligen Turnieren gefahren“, so Hasselberg.

Erste DM-Teilnahme in Essel

Den ersten großen Erfolg feiert das Team 1981. Auf dem Feld qualifizieren sie sich als erste Brettorfer U14-Mannschaft überhaupt für eine Deutsche Meisterschaft. Viele kräftezehrende Trainingseinheiten liegen da bereits hinter ihnen. „Im Vorfeld haben wir fast täglich trainiert“, berichtet Jens Hasselberg. Und das mitunter mit ungewöhnlichen Trainingsmethoden: „Heino war schon ein Original als Coach. Er hatte immer wieder neue Einfälle.“ So wurde auch mit Tennisbällen trainiert, um den größeren Faustball später noch besser zu treffen. Außerdem verschenkt der Coach an jeden seiner Spieler einen eigenen Gummi-Ball zum Üben für zu Hause. „Ziel war es, erst einmal den Ball dreimal fehlerfrei gegen die Wand und wieder zurück zu spielen“, erklärt Hasselberg, der den gelben Gummi-Ball bis heute aufbewahrt hat. „Das mit dem ,dreimal‘ übe ich heute noch“, lacht er. Damit nicht genug: Auch ein Waldlauf in Sandkrug, Konditionsläufe und ein Steigerungslauf mit kurzem Sprint - ab dem Hof „Schmitz“ Friedel Kläner über den Viet zur Bundesstraße bei Heinrich Ahlers und wieder zurück - stehen auf dem Trainingsplan. „In der B-Jugend mussten unsere Mütter in unsere alten Trainingsjacken sogar Sandsäcke einnähen. Die haben wir dann beim Training getragen“, verrät der Abwehrspieler. In Essel schafft es das Team auf Platz sieben – wird bei der Rückkehr aber mit einem kleinen Empfang bereits gefeiert.

Gemeinsam das Ziel im Blick: Die Trainingsgruppe der C-Jugend 1982 mit Trainer Heino Kreye (oben, rechts). Auch Jens Hasselberg (unten, 2. von rechts) gehört dazu.

Ein halbes Jahr später steht bereits die nächste DM an: In Wildeshausen - und der TVB ist Gastgeber. „Die Ausrichtung in Wildeshausen war für uns schon ein echtes Highlight“, sagt Jens Hasselberg. So gut es bei den begrenzten Hallenzeiten in den Wintermonaten möglich ist, bereitet sich die Mannschaft mit Coach Heino Kreye auf das Event vor. „Das Potenzial bei uns war schon da“, sagt der TVB-Spieler. Der ganz große Hype, den heute eine DM in Brettorf auslöst, spürte er damals noch nicht. „In der Schule wurde man aber schon angesprochen. Und wir Spieler waren alle total heiß. Es war etwas Besonderes auf das wir hingearbeitet haben.“

In DM-Endrunde gekämpft

Nach einem Empfang der Gemeinde am Freitagabend im Hotel Gut Altona, geht es am Samstag sportlich zur Sache. Die Brettorfer Jungen präsentieren sich dabei mit brandneuen Trainingsanzügen. Neben dem TVB-Wappen und Vereinsnamen ist auch der Sponsor der Anzüge aufgedruckt: Elektro Meyer aus Brettorf. „Die Halle war schon am Samstag proppenvoll. Das war schon ein Ereignis“, sagt Jens Hasselberg. Ganz nach vorne peitschen können die Brettorfer Fans ihr Team aber nicht. Zum Ende der Vorrunde stehen neben zwei Siegen gegen den TV Eschhofen und MTV Wangersen auch zwei Niederlagen gegen den TSV Rintheim und DJK Ursensollen zu Buche. Im Kampf um Gruppenplatz drei und den damit verbundenen Einzug in die Endrunde am Sonntag, muss der TVB erneut gegen Rintheim antreten. Es reicht zu einem knappen 11:9-Sieg.

Am Sonntagmorgen ruft Trainer Heino Kreye seine Spieler dann zur Vorbereitung auf das Qualifikationsspiel zusammen. „Auch wenn es Anfang März war haben uns immer auf dem geteerten Platz vor der Halle warmgemacht“, erzählt Jens Hasselberg. Vor dem entscheidenden Spiel müssen sich alle Spieler auf den Boden legen. „Heino hat mit uns Meditation gemacht. Wir sollten uns vorstellen, dass wir gewinnen.“ Doch bei dieser Vorstellung bleibt es. Denn ausgerechnet Landkreis-Konkurrent SV Moslesfehn ist an diesem Morgen der Brettorfer Gegner. Und vor allem einen Spieler bekommen die DM-Gastgeber nicht in den Griff: Moslesfehns Schlagmann Bodo Würdemann.

Moslesfehner Youngsters überraschen

Der SVM-Angreifer ist der einzige C-Jugendspieler der Moslesfehner Fünf auf dem Spielfeld. Ansonsten gehören zum Team vom jungen Trainer Torsten Büsselmann die talentierten elfjährigen Abwehrspieler Jens Büsselmann und Olaf Hinrichs und zwei Zehnjährige: Ralf Büsselmann vorne rechts und Jens Kolb, der als Zuspieler bereits in zentraler Position agiert. „Allein die Qualifikation war schon ein riesiger Erfolg für uns“, erinnert sich Bodo Würdemann. Er selbst ist zu dieser Zeit noch nicht lange Faustballer. „Ich war ein ziemlich guter Langstreckenläufer und meine Eltern wollten eigentlich ganz gerne, dass ich dort weitermache“, sagt Würdemann. Trotzdem hat er seinen Gefallen am Faustballsport gefunden, der in Moslesfehn einen hohen Stellenwert hat. „Die ersten Faustballspieltage bin ich noch heimlich mitgefahren“, lacht der heutige Trainer der Männer.

Bei der DM in Wildeshausen schafft es der SVM mit nur einer Vorrundenniederlage auf den zweiten Platz der Gruppe A und trifft somit im Quali-Spiel ausgerechnet auf den TVB. „Brettorf war schon ein wenig favorisiert“, meint Bodo Würdemann. „Wir haben an diesem Wochenende aber über unserem Maximum gespielt und es gerade gegen Brettorf überragend gemacht.“ Mit 25:15 gewinnt das Team aus der Gemeinde Wardenburg und steht nach einem 24:20-Halbfinalerfolg gegen Wangersen im Endspiel. „Wir hatten eine große Fanschar auf der Tribüne, fast das ganze Dorf war da und hat uns angefeuert“, erzählt der Moslesfehner Angreifer. Gegen die DJK Odenkirchen liegen die Mossis im Finale zunächst zurück, kämpfen sich aber noch einmal heran. Am Ende müssen sie sich mit 19:21 knapp geschlagen geben. Die Trauer über die Niederlage ist aber schnell verflogen – schließlich kann der SV Moslesfehn die erste Medaille bei einer Deutschen Meisterschaft überhaupt bejubeln. Würdemann: „Nach der Siegerehrung sind wir Spieler und Fans noch ins Brückenhaus zu Werner Büsselmann und haben dort eine riesige Party gefeiert. Das vergisst man nicht.“

Brettorf trifft nach der Quali-Niederlage im Spiel um Platz fünf nun auf den VfL Niederwerrn. „Die Enttäuschung über die Niederlage war schon groß bei uns“, erinnert sich Jens Hasselberg, der das Spiel von der Ersatzbank aus erlebt. „Die Familien und Vereinsmitglieder hatten sich, glaube ich, ein wenig mehr ausgerechnet.“ Immerhin: Die DM endet für die Schwarz-Weißen versöhnlich. Mit 23:16 sichert sich der TVB Rang fünf.

Der erste DM-Titel

Lange warten muss die Mannschaft auf ihren ersten großen Triumph ohnehin nicht. Nur ein halbes Jahr später feiern sie den DM-Titel. Im badischen Weinheim kämpft der TVB-Nachwuchs im Halbfinale in der Verlängerung gegen den SV Moslesfehn. Brettorf setzt sich in einem hochklassigen Duell durch und gewinnt anschließend das Finale gegen den MTV Wangersen souverän. Bei der fünften Deutschen Meisterschaft mit Brettorfer Beteiligung feiert der Turnverein seinen ersten Titelgewinn.

Doch zurück zur Heim-DM im März: Das Trikot von damals hat Jens Hasselberg nämlich aufbewahrt. „Es hängt heute noch eingerahmt bei mir“. Und: „Mit vielen aus meinem Team von damals spiele ich heute noch zusammen“, sagt der Brettorfer: „Erst waren es Klassenkameraden, dann Mitspieler beim Faustball. Heute zählen einige von ihnen zu meinem engsten Freundeskreis.“ Die erste Brettorfer Heim-DM und den Triumph ein halbes Jahr später werden sie alle nicht vergessen.

Statistiken

Kader TV Brettorf:
Bernd Ellinghusen, Jens Hasselberg, Jens Kläner, Ralf Kreye, Heiko Plate, Hartmut Schütte, Jürgen Steenken, Klaus Ziranek, Olaf Osterloh; Trainer: Heino Kreye, Gerd Kläner

Vorrunde:
TVB - TV Eschhofen 20:13
TVB - MTV Wangersen 19:18
TVB - TSV Rintheim 12:17
TVB - DJK Ursensollen 16:17
Entscheidungsspiel:
TVB - TSV Rintheim 11:9

Qualifikation:
TVB - SV Moslesfehn 15:25
Platz 5:
TVB - VfL Niederwerrn 23:16

Endstand:
1. DJK Odenkirchen (Rheinland), 2. SV Moslesfehn (Niedersachsen), 3. MTV Wangersen (Niedersachsen), 4. DJK Ursensollen (Bayern), 5. TV Brettorf (Niedersachsen), 6. VfL Niederwerrn (Bayern), 7. TSV Rintheim (Baden); 8. TV Eschhofen (Hessen), 9. Berliner TS (Berlin), 10. TV Weisel (Mittelrhein)

Text: Sönke Spille
Interviewpartner: Jens Hasselberg & Bodo Würdemann
Informationen: Faustball-Information, Chronik TV Brettorf

 

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