Halle 2026/27: Die Vorschau der Bundesliga-Männer

29. Oktober 2026

Neun Siege aus zehn Spielen in der Bundesliga Nord, bis zum letzten Spieltag gerade einmal zwei verlorene Sätze und am Ende die Silbermedaille bei der Deutschen Meisterschaft: Hinter den Faustballern des TV Brettorf liegt die erfolgreichste Feldsaison seit 2011. Erstmals seit 15 Jahren stand der TVB wieder in einem Feld-DM-Finale und bestätigte damit seine starke Entwicklung der vergangenen Jahre. Einer der Leistungsträger ist Defensivspieler Moritz Cording, der vor dem Start in die Hallensaison auf den Finaleinzug, die personellen Herausforderungen bei der DM und die Bedeutung der eigenen Nachwuchstalente zurückblickt. Gleichzeitig richtet sich der Blick auf die Hallensaison – inklusive Final4 in Stuttgart.

Moritz, die Feldsaison endete für euch mit der Deutschen Vizemeisterschaft – erstmals seit 2011 stand der TVB wieder in einem Feld-DM-Finale. Wie blickst du auf diese Saison zurück?

Moritz Cording: Für uns lief die Saison tatsächlich nahezu perfekt. Wir haben über weite Strecken wirklich alles auf den Platz bekommen, was wir uns vorgenommen hatten, konnten im Team gut durchwechseln, sodass alle auf ihre Spielanteile gekommen sind. Gleichzeitig hatten wir eigentlich kaum gefährdete Spiele. Auch den ersten echten Gradmesser auswärts in Hagen konnten wir mit einem souveränen Sieg meistern. Erst am letzten Spieltag mussten wir uns dann im erneuten Duell mit Hagen erstmals geschlagen geben. Zu diesem Zeitpunkt waren uns die Nordmeisterschaft und der direkte Finaleinzug zur Deutschen Meisterschaft allerdings schon nicht mehr zu nehmen – da fehlte vielleicht auch ein wenig die Spannung.

Bei der DM lief das Halbfinale dann wieder richtig gut. Wir hatten das Spiel im Griff und sind verdient ins Finale eingezogen. Dort wartete mit Pfungstadt ein Gegner, der an guten Tagen unglaublich schwer zu schlagen ist. Leider haben wir es nicht ganz geschafft, unsere eigentliche Leistung abzurufen. Und das reicht gegen Pfungstadt dann einfach nicht. Die DM-Silbermedaille ist dennoch ein toller Erfolg.

In der Defensive wart ihr über weite Teile der Saison mit Tom Hartung, Álvaro Englert und dir sehr breit aufgestellt. Bei der DM in Bardowick waren die beiden dann verletzt und du plötzlich der einzig verbliebene Spieler aus dieser Defensivachse. Wie hast du diese Situation erlebt?

Moritz Cording: Das war für uns natürlich sehr bitter. Gerade weil wir die Saison über in der Defensive einen wirklich breiten Kader hatten. Diese Breite war eine unserer großen Stärken und hätte uns auch im weiteren Saisonverlauf sehr geholfen. Gleichzeitig muss man sagen, dass wir mit der verbliebenen Konstellation ziemlich gut zurechtgekommen sind. Sicherlich hätten Álvaro und Tom uns gerade im Finale gutgetan. Aber insgesamt haben wir das als Mannschaft gut aufgefangen.

Mit Mats Hinrichs rückte bei der DM ein erst 16-Jähriger in die Defensive und überzeugte direkt. Wie wichtig war es, in dieser Situation auf die Talente aus dem eigenen Nachwuchs zurückgreifen zu können?

Moritz Cording: Das war natürlich enorm wichtig. Mats hat sich in dieser Situation sehr gut eingefunden und seine Aufgabe stark gemacht. Gerade wenn dir zwei erfahrene Defensivspieler fehlen, ist es alles andere als selbstverständlich, dass ein so junger Spieler direkt bei einer DM einspringt und funktioniert. Umso schöner war es, dass wir das gemeinsam so gut hinbekommen haben.

Nach Bronze in der vergangenen Hallensaison und Silber auf dem Feld habt ihr zuletzt sehr konstant um die Medaillen gespielt. Hat sich dadurch auch der Anspruch innerhalb der Mannschaft verändert?

Moritz Cording: Ich glaube, unser Anspruch ist grundsätzlich derselbe geblieben. Wir wollen uns für die Deutsche Meisterschaft qualifizieren und dort natürlich möglichst weit kommen. Die Medaillen aus den vergangenen beiden Spielzeiten zeigen, dass wir auf einem guten Weg sind und mit den besten Mannschaften mithalten können.

Allerdings wird es bereits in der Bundesliga Nord in dieser Hallensaison sicherlich noch einmal schwieriger als auf dem Feld. Leichlingen hat sich gleich doppelt verstärkt und mit Timon Lützow bei Hannover gibt es einen zusätzlichen Konkurrenten um die Playoffs. Ich glaube deshalb, dass schon die Nordrunde deutlich umkämpfter werden könnte.

Was nehmt ihr aus der Feld-DM und speziell aus dem Finaleinzug für die neue Hallensaison mit?

Moritz Cording: Vor allem die Erkenntnis, dass wir auch bei einer Deutschen Meisterschaft mit einer veränderten Aufstellung bestehen können. Trotz der Verletzungen haben wir es geschafft, uns bis ins Finale zu spielen. Das zeigt, dass wir als Mannschaft gut funktionieren und auch schwierige Situationen gemeinsam auffangen können.

Das Ziel heißt wieder Stuttgart. Was muss in der Bundesliga und anschließend in den Playoffs zusammenkommen, damit ihr erneut beim Final4 dabei seid – und mit welchem Ziel würdest du persönlich in die Saison gehen?

Moritz Cording: Wir werden auch in dieser Saison wieder einige unserer U18-Talente in die Mannschaft integrieren. Das Ziel muss sein, dass wir uns in dieser Konstellation möglichst schnell einspielen und als Team zusammenfinden. Wenn uns das gelingt und wir unsere Leistung konstant abrufen, haben wir sicherlich wieder gute Chancen, uns für die Deutsche Meisterschaft zu qualifizieren. Persönlich möchte ich weiterhin meine Leistung bringen, der Mannschaft den nötigen Rückhalt geben und meinen Teil dazu beitragen, dass wir erneut in Stuttgart dabei sind.

Heimspiele

Samstag, 7. November 2026 (18.00 Uhr) vs. TSV Schülp
Freitag, 27. November 2026 (20.00 Uhr) vs. SV Moslesfehn
Samstag, 5. Dezember 2026 (18.00 Uhr) vs. Leichlinger TV
Samstag, 23 Januar 2027 (18.00 Uhr) vs. MTV Wangersen


Die Gegner

Leichlinger TV

Eine Feldsaison zum Vergessen liegt hinter dem Leichlinger TV. Nach der Verletzung von Hauptangreifer Christian Weber ging bei den Rheinländern kaum noch etwas zusammen. Von Beginn an steckte das Team im Tabellenkeller fest, am Ende standen nur ein Sieg, der letzte Tabellenplatz und der Abstieg zu Buche. Ein herber Rückschlag für eine Mannschaft, die sich in den Jahren zuvor zu einem der Top-Teams der Nord-Liga entwickelt hatte. In der Halle könnte das Bild allerdings ganz anders aussehen. Neben Sommer-Neuzugang Dominik Lübbers (SV Moslesfehn) verstärken Zuspieler Kevin Schmalbach und Nationalangreifer Philip Litz (ehemals Hofmann) das Team. Beide kommen für den Winter aus Hagen. Mit dieser geballten Offensivpower dürfte Leichlingen wieder ein ernstes Wort im Kampf um die Spitzenplätze mitreden.

TK Hannover

Der TK Hannover rüstet auf: Mit Timon Lützow, der auf dem Feld von Berlin zum TSV Hagen 1860 gewechselt ist, bekommt die Mannschaft aus der niedersächsischen Landeshauptstadt prominente Verstärkung im Angriff. Dahinter steht ein eingespielter und breit besetzter Kader, der reichlich Bundesliga-Erfahrung und individuelle Qualität mitbringt. Schon in der vergangenen Hallensaison wusste Hannover mit Platz fünf zu überzeugen. Nun könnte der zusätzliche Offensivdruck dafür sorgen, dass die Leinestädter noch einen Schritt nach vorne machen. Ein Blick in Richtung Playoffs dürfte wohl erlaubt sein.

SV Moslesfehn

Es war einer der größten Erfolge der jüngeren Vereinsgeschichte: Mit Platz drei in der vergangenen Feldsaison qualifizierte sich der SV Moslesfehn erstmals seit 2001 wieder für eine Deutsche Meisterschaft. Dort war nach einem packenden Viertelfinale gegen den TSV Calw zwar Endstation, mit seinem erfrischenden und mutigen Faustball wusste der SVM aber durchaus zu begeistern. Diesen Schwung möchte die Mannschaft nun mit in die Halle nehmen. Allerdings wartet auf Trainer Bodo Würdemann eine nicht ganz einfache Aufgabe: Mit Zuspieler Pascal Töllner muss eine wichtige Stütze des Moslesfehner Spiels ersetzt werden. Dafür rückt mit Jascha Abel ein beim TV Huntlosen ausgebildeter Angreifer ins Bundesliga-Aufgebot.

MTV Wangersen

Heißt es beim MTV Wangersen wieder „Abstiegskampf“? Nach einer von Verletzungen geprägten Feldsaison stand mit 2:18 Punkten der Abstieg fest. Auch unter dem Hallendach lief es zuletzt alles andere als rund. Mit 2:14 Punkten landete die Mannschaft auf dem neunten Tabellenplatz und wäre sportlich ebenfalls abgestiegen. Dass Wangersen dennoch weiterhin erstklassig bleibt, ist den Rückzügen des SV Armstorf und der Berliner Turnerschaft sowie dem Verzicht des VfK Berlin auf den Ligaverbleib zu verdanken. Nun erhält das Team aus dem Kreis Stade eine weitere Chance, sich in der Bundesliga zu behaupten. Trainer Martin Becker setzt dabei auf einen großen Kader, um insbesondere bei Verletzungen besser reagieren zu können. Das große Ziel ist klar: Diesmal soll der Klassenerhalt möglichst aus eigener Kraft gelingen.

Ahlhorner SV

Beim Ahlhorner SV zeigt die Formkurve wieder nach oben. In der vergangenen Feldsaison gelang die beste Platzierung seit 2019 – ein deutliches Zeichen dafür, dass der personelle Umbruch bei den Blau-Weißen zunehmend Früchte trägt. Die neue Generation hat sich gefunden und möchte nun auch in der Halle für frischen Wind sorgen. Als Meister der 2. Bundesliga schaffte der Landkreis-Rivale des TV Brettorf die Rückkehr ins Oberhaus. Die große Frage lautet allerdings: Gelingt diesmal auch der Klassenerhalt? Bei den vergangenen beiden Bundesliga-Anläufen musste Ahlhorn jeweils nach nur einer Saison wieder den Gang in die Zweitklassigkeit antreten. Mit einem jungen, eingespielten Team und dem Rückenwind aus der erfolgreichen Aufstiegssaison soll dieser Negativserie nun ein Ende gesetzt werden.

TuS Empelde

Aufsteiger mit Rückenwind! Nach Platz zwei in der vergangenen Hallensaison und dem anschließenden Meistertitel in der Feld-Bundesliga Nord reist der TuS Empelde mit reichlich Selbstvertrauen ins Oberhaus. Für die Mannschaft aus der Region Hannover steht dabei eine echte Premiere bevor: Erstmals spielt Empelde in der 1. Hallen-Bundesliga. Auf dem Feld hatte der Verein bereits 2024 erste Bundesliga-Erfahrungen gesammelt, musste damals allerdings den direkten Wiederabstieg hinnehmen. Diesmal möchte man sich von Beginn an konkurrenzfähig präsentieren. Trainer Robert Hüper kann dabei auf den unveränderten Erfolgskader aus dem Sommer zurückgreifen. Mit Niklas Wollmann und Mats Hermanns stehen zudem zwei frischgebackene U21-Europameister im Aufgebot.

TSV Schülp

Abenteuer Bundesliga: Für den TSV Schülp wird in diesem Winter ein Traum wahr. Erstmals schlägt die Mannschaft aus Schleswig-Holstein in der höchsten deutschen Spielklasse auf. Dabei war der Aufstieg nach Platz drei in der 2. Bundesliga Ost ursprünglich gar nicht vorgesehen. Erst der Verzicht der beiden besser platzierten Mannschaften, MSV Buna Schkopau und SG Bademeusel, machte den Weg ins Oberhaus frei. Der Sprung ist durchaus beachtlich, schließlich spielte Schülp auf dem Feld zuletzt lediglich in der Schleswig-Holstein-Liga. Personell vertraut der TSV auf den unveränderten Kader aus dem Sommer. Entsprechend groß dürfte die Herausforderung gegen die etablierten Bundesligisten werden. Doch genau darin liegt auch der Reiz: Schülp kann ohne großen Erwartungsdruck aufspielen und hat wenig zu verlieren. Denn schon jeder Satzgewinn dürfte als Erfolg gewertet werden.

TSV Lola

Der TSV Lola will wieder angreifen! Mit einem starken dritten Platz in der vergangenen Feldsaison sicherte sich das Team die Teilnahme an den Playoffs zur Deutschen Meisterschaft. Dort bekam man es mit dem späteren Deutschen Meister TV Käfertal zu tun – und schnupperte zunächst sogar an einer Überraschung. Lola sicherte sich den ersten Satz, ehe der Favorit seine ganze Klasse ausspielte, die folgenden zehn Durchgänge gewann und damit das DM-Ticket löste. Die Playoff-Qualifikation möchte Lola nun auch in der anstehenden Spielzeit wieder ins Visier nehmen.

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