Die Helden des Faustball-Europacups

2. Januar 2018

Sie haben so ziemlich alles erlebt, was man im Faustballsport erleben kann. Titel in ihrem Land, Einsätze für die Nationalmannschaften bei Welt- und Europameisterschaften. Und sie waren Gast – immer wieder – bei Europapokalen in der Halle und dem Feld. Die Rede ist von Dirk Schachtsiek (TSV Hagen 1860/Deutschland), Stephan Jundt (STV Full-Reuenthal/Schweiz) und Martin Weiß (FBC LInz-Urfahr/Österreich). Sie haben unzählige Faustballbegegnubgen bestritten und standen uns nun kurz vor dem Champions Cup in Brettorf Rede und Antwort.

TV Brettorf: Vielen Dank, dass ihr euch für das kurze Interview Zeit genommen habt. Welche Erinnerungen fallen euch spontan ein, wenn ihr an eure aktive Zeit beim Faustball-Europacup zurückdenkt.

Martin Weiß: Für mich waren die Europacupveranstaltungen in der Halle immer ganz besonders herausfordernd, weil ich kein Hallenspieler war. Um so besser in Erinnerung sind die zwei Erfolge 2004 in Hannover und 2008 zuhause in Linz. Der Heimsieg in Linz war speziell, weil drei Monate später mein Sohn Lukas zur Welt kam.

Stephan Jundt: Wir sind oder waren mit Full-Reuenthal leider keine Seriensieger im Hallen Europacup. In der Schweiz hatten wir Gold zwar abonniert und so waren wir doch jedes Jahr in den Hallen Europas dabei. Leider waren für uns vorallem die großen Deutschen zu stark, so dass wir nie über die silberne Medaille hinaus kamen. Aber es waren wunderschöne Anlässe dabei! Martin Schleyer Halle in Stuttgart, Glaspalast Sindelfingen, Koblenz, Weil der Stadt, in Hagen „mussten“ wir auch spielen.. Natürlich auch in Linz, Wien und bei uns in der Schweiz in etlichen ausverkauften Hallen. Es waren alle Anlässe aufregend und speziell. Früher fand der Anlass jeweils Mitte/Ende März statt, dies war für speziell, da wir bei uns die Meisterschaft bereits im Februar jeweils abgeschlossen hatten. So durften wir jedes Jahr bis quasi zur Feldsaison fleissig in der Halle weiter trainieren. Aber der Hallen Europacup war die Mühe wert.

Dirk Schachtsiek: Natürlich habe auch ich vielfältige Erinnerungen an die Europapokal-Teilnahmen. Neben den zahlreichen Finalduellen gegen meine Nationalmannschaftskollegen Stefan Lebert (Koblenz) und Martin Becker (Duisburg + Hannover) sind besonders die kuriosen und außergewöhnlichen Dinge in Erinnerung geblieben:
1992 in Vöcklabruck: Wir sind mit der kompletten Mannschaft direkt aus dem Skiurlaub mit der Bahn angereist, haben beim Umsteigen aber den falschen Zug erwischt. Aufgrund der knappen Zeit mussten wir uns im Zug umziehen und zur Verwunderung der anderen Reisegäste unser Aufwärmprogramm im Wagon absolvieren. In der Halle angekommen wurde das erste Spiel direkt angepfiffen, in dem uns der TKD Duisburg überrollte. Da damals noch Vorrundenspiele durchgeführt wurden, konnten wir diese Niederlage verschmerzen und am Ende im Finale (wieder gegen Duisburg) den Pott gewinnen.
1996 in Jona: Meine Frau war hochschwanger Zuhause. Ich hatte mir sicherheitshalber sämtliche Flugverbindungen von Zürich rausgesucht, um notfalls schnell reagieren zu können. Am Samstagabend sagte meine Frau noch, dass alles ruhig ist. In der Nacht überschlugen sich dann die Ereignisse und ich konnte die Geburt von Ole nur live am Telefon verfolgen. Trotz schlafloser Nacht (aber mit vielen Endorphinen im Blut) waren wir am Sonntag dann im Finale siegreich gegen Full-Reuenthal.
1999 in Will: Im Finale gegen TS Hannover lagen wir im entscheidenden 5. Satz deutlich zurück und standen kurz vor unser ersten Finalniederlage. Plötzlich fiel eine Deckenlampe aus und unser Abwehrspieler Andreas Schmitz erklärte, dass er so nicht weiterspielen kann. Es folgte eine 20-minütige Pause, nach der wir das Spiel noch drehen und unsere Siegesserie weiter ausbauen konnten.


TV Brettorf: Am 12./13. Januar stehen sich nun in Brettorf die aktuell vier besten Hallenmannschaften Europas gegenüber. Wer geht für euch als Favorit in den Wettbewerb, wer wird gewinnen?

Martin Weiß: Für 2018 ist es sehr schwer, einen absoluten Favoriten zu bestimmen, weil ich die Spiele sehr eng einschätze. Ich tippe aber als Patriot für COMPACT Freistadt, dass sie den Pokal holen.

Stephan Jundt: Einen Favoriten für nächsten Januar kann ich keinen nennen, aber Diepoldsau wird gewinnen.

Dirk Schachtsiek: Der diesjährige Europapokal wird sicher spannend wie lange nicht mehr. Durch die Verletzung von Patrick Thomas gibt es keinen eindeutigen Favoriten mehr. Ich rechne trotzdem mit einem rein deutschen Finale, in dem ich dem TV Brettorf es durchaus zutraue, seinen ersten internationalen Titel zu gewinnen.

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