Halle 2026/27: Die Vorschau der Bundesliga-Frauen

4. November 2026

Von einem schwierigen Saisonstart bis auf Platz vier bei der Deutschen Meisterschaft: Hinter den Bundesliga-Faustballerinnen des TV Brettorf liegt eine bemerkenswerte Feldsaison. Eine wichtige Stütze des Teams ist Ida Jungclaussen, die 2025 zum TVB zurückkehrte und sich im Sommer mit der deutschen Nationalmannschaft auch den Europameistertitel sicherte. Vor dem Start in die Hallensaison blickt die Defensivspezialistin auf die Entwicklung ihrer Mannschaft, ihre Erfahrungen als Spielerin und Trainerin sowie die bevorstehende Spielzeit unter dem Hallendach. Dabei hat der TVB nach dem Erfolg auf dem Feld auch das Final4 um die Deutsche Hallenmeisterschaft fest im Blick.

Ida, in der vergangenen Feldsaison habt ihr euch nach durchwachsenem Start am Ende noch furios für die DM qualifiziert. Wie blickst du auf die Saison in neuer Konstellation zurück? Wann hast du gemerkt, dass mit dieser Mannschaft vielleicht doch mehr möglich ist?

Ida Jungclaussen: Das mit der Mannschaft was möglich ist, hab ich schon in der Vorbereitung auf die Saison gemerkt. Wir hatten dann zwar unsere Startschwierigkeiten und immer Dinge, an denen wir arbeiten mussten. Im Laufe der Saison wurden wir aber immer eingespielter und besonders die letzten Spieltage liefen dann sehr gut!

Bei der DM in Bardowick habt ihr dann direkt den Süd-Zweiten Calw geschlagen und den späteren Deutschen Meister Ahlhorn bis in den Entscheidungssatz gefordert. Was hat euch an diesem Wochenende besonders stark gemacht?

Ida Jungclaussen: Das ist eine gute Frage! Ich denke, wir haben einfach konsequent an unserer Spielidee festgehalten, hatten klare Absprachen und dadurch hat sich jeder auf seiner Position sicher gefühlt und konnte frei aufspielen. Wenn man sich mehr oder weniger überraschend für eine Deutsche Meisterschaft qualifiziert, ist damit natürlich schon ein großes Saisonziel erreicht und der Druck ist als vermeintlicher Underdog gar nicht mehr so groß, sondern die Freude überwiegt da.

Am Ende stand Platz vier. Überwiegt im Rückblick der Stolz auf das Erreichte oder steckt auch noch etwas Enttäuschung über die knapp verpasste Medaille drin?

Ida Jungclaussen: Ein vierter Platz ist immer undankbar und natürlich wäre es schöner gewesen, die Saison mit einer Medaille zu beenden. Spielerisch konnten wir in dem Spiel um Platz 3 aber alles andere als glänzen und deshalb haben wir die Medaille an diesen Tag auf keinen Fall knapp verpasst, sondern mussten uns deutlich geschlagen geben. Schade finde ich deshalb gar nicht unbedingt die verpasste Medaille, sondern eher unseren letzten Saisonauftritt. Da hätte ich mir ein spannenderes Spiel gewünscht.

Du stehst nicht nur selbst in der Bundesliga auf dem Feld, sondern betreust gemeinsam mit deinem Mann Johannes auch die U12 und warst bei der U21 als Trainerin aktiv. Wie ist es für dich, den Faustball inzwischen aus beiden Perspektiven zu erleben – als Spielerin und als Trainerin?

Ida Jungclaussen: Total cool – ein Highlight jagt das nächste. Eine Mannschaft als Trainerin zu begleiten macht unglaublich viel Spaß, kostet aber auch mal Nerven. Spannende Spiele sind als Spielerin definitiv erträglicher und man muss natürlich auch viel weniger nachdenken. Aber auch mal taktisch vom Spielfeldrand ins Spiel einzugreifen macht mir großen Spaß.

Nicht nur mit dem TVB, auch international warst du im Sommer aktiv, hast mit der Frauen-Nationalmannschaft den Europameistertitel gewonnen. Was kannst du aus diesen internationalen Wettbewerben mit in den Vereinsalltag nehmen?

Ida Jungclaussen: So viel nehme ich da ehrlicherweise gar nicht für den Vereinsalltag mit. Natürlich sammle ich persönlich extrem viele Erfahrungen, spiele mit ganz anderen Spielerinnen zusammen, habe andere Trainerinnen und teilweise ganz neue Gegnerinnen. Aber das ist für den Alltag im Verein eigentlich weniger bedeutend und dient dann viel mehr als extra Training für mich. Ich kann ganz viele Erfahrungen sammeln, für die ich total dankbar bin, aber im Verein habe ich dann wieder meine Trainingsgruppe, meine Mannschaft und da geht’s dann ganz normal weiter, was ich super finde.

Nach dieser starken Feldsaison: Mit welchem Anspruch geht ihr nun in die Halle – inwieweit ist sogar das Final4 um die Deutsche Meisterschaft in Stuttgart realistisch?

Ida Jungclaussen: Also realistische Chancen haben wir denke ich schon. In der letzten Hallensaison lief es nicht so gut und den Klassenerhalt haben wir nicht aus eigener Kraft geschafft. Dennoch stehen wir nominell gut da in der Liga. Ahlhorn ist, denke ich, gesetzt und dann wird es ein enges Rennen zwischen Kellinghusen, Schneverdingen, uns und vielleicht auch dem Ohligser TV – ohne dass ich jetzt schon was von den Teams in der Vorbereitung sehen konnte. Zwei statt drei Plätze für die DM machen es definitiv schwerer, aber wir wollen es auf jeden Fall ins Visier nehmen und ich hoffe, dass wir oben mitspielen können.

Heimspiele

Sonntag, 8. November 2026 (11.00 Uhr) vs. Ohligser TV & VfL Kellinghusen
Sonntag, 17. Januar 2027 (11.00 Uhr) vs. TSV Hagen 1860 & VfL Kellinghusen


Die Gegnerinnen

Ahlhorner SV

Zwei Titel, jede Menge Selbstvertrauen und ein klares Ziel: Der Ahlhorner SV will zurück an die Hallenspitze! Nachdem sich der Landkreis-Rivale bei der vergangenen Hallen-DM in Stuttgart noch mit Silber begnügen musste, lief auf dem Feld wieder alles nach Plan. Sowohl bei der Deutschen Meisterschaft als auch beim Champions Cup verteidigten die Blau-Weißen ihre Titel. Dabei wäre der TV Brettorf im DM-Halbfinale beinahe zum Stolperstein geworden. Nach der Teilnahme an der Klub-WM in Chile gilt es nun, möglichst schnell wieder in den Hallenrhythmus zu finden. Das Ziel ist klar: Einer der ersten beiden Tabellenplätze und damit das Ticket für die Deutsche Meisterschaft. Dass der ASV bei der Hallen-DM fehlt, ist schließlich kaum vorstellbar. Zuletzt war das in der Saison 2006/07 der Fall. Genau 20 Jahre später dürfte sich daran wohl kaum etwas ändern. Ahlhorn zählt auch in diesem Winter zu den heißesten Titelkandidaten.

TV Jahn Schneverdingen

Der TV Jahn Schneverdingen hat noch eine Rechnung offen! Platz drei reichte in der Vergangenheit fast immer für die DM-Qualifikation, doch durch das neue Final4-Format mussten die Heidschnucken in der vergangenen Hallensaison zuschauen. Auf dem Feld zeigte die Mannschaft anschließend, dass sie weiterhin zur nationalen und internationalen Spitze gehört. Nach Bundesliga-Platz zwei sicherte sich Schneverdingen sowohl bei der Deutschen Meisterschaft als auch beim Champions Cup die Bronzemedaille. Nach der Klub-WM in Chile stehen nun allerdings personelle Veränderungen an. Neben Annika Kriger fehlt auch Angreiferin Aniko Müller, die nach Jahren des Pendelns zwischen Berlin und Schneverdingen eine Pause einlegt. Dafür rückt U18-Angreiferin Nina Kahrametovic fest ins Bundesliga-Aufgebot, während Defensivspielerin Lena Meyer zurückkehrt. Trotz der Veränderungen bleibt Schneverdingen ein ernstzunehmender Kandidat für die Spitzenplätze. Ob es diesmal wieder für das DM-Ticket reicht?

VfL Kellinghusen

Vom Dauervierten zum DM-Teilnehmer! Der VfL Kellinghusen spielte in der vergangenen Hallensaison groß auf und führte zwischenzeitlich sogar die Bundesliga-Tabelle an. Am Ende stand Platz zwei und damit die verdiente Qualifikation für die Deutsche Meisterschaft – nach zuvor drei vierten Plätzen in Folge ein beachtlicher Erfolg. Beim Finalturnier selbst lief es dann allerdings nicht ganz nach Wunsch. Erneut musste sich Kellinghusen mit dem undankbaren vierten Platz begnügen. Auf dem Feld folgte anschließend eine durchwachsene Saison, die auf Bundesliga-Rang fünf endete. Umso größer dürfte nun die Vorfreude auf die Rückkehr unter das Hallendach sein. Die Störstädterinnen wollen dort an ihre starke Vorsaison anknüpfen und mit einem guten Saisonstart wieder von Beginn an Druck auf die Konkurrenz ausüben.

Ohligser TV

Der Ohligser TV hat sich längst im Bundesliga-Oberhaus etabliert. Bereits zum fünften Mal in Folge gehen die Solingerinnen in der 1. Hallen-Bundesliga an den Start. Nach zwei DM-Teilnahmen in den ersten Spielzeiten musste man sich zuletzt mit den Tabellenplätzen fünf und vier begnügen. Für die neue Saison gibt es nun einige Veränderungen im Kader. Mit Anna Sophie Misere und Jacqueline Börste stehen zwei Spielerinnen nicht mehr zur Verfügung. Dafür kehrt mit Jana Brüggemeier eine frühere U18-Vizeweltmeisterin zurück ins Aufgebot. Gemeinsam mit Katja Hofmann und Kaja Hutz sorgt sie für reichlich Qualität und Variationsmöglichkeiten im Angriff. Gerade diese offensive Breite könnte im Kampf um die oberen Tabellenplätze zum entscheidenden Faktor werden. Gelingt es dem OTV, konstant seine Leistung abzurufen, dürfte auch der Blick in Richtung DM-Qualifikation wieder erlaubt sein.

MTV Wangersen

Bloß nicht schon wieder Abstiegskampf! Hinter den Faustballerinnen des MTV Wangersen liegen nervenaufreibende Monate. In der vergangenen Hallensaison steckte das Team tief im Tabellenkeller, trennte sich zwischenzeitlich von Trainer Janek von der Lieth und rettete am Ende doch noch den Klassenerhalt. Auf dem Feld folgte ein ähnliches Szenario. Mit Arndt Poppe an der Seitenlinie musste Wangersen erneut bis zum Schluss um den Verbleib im Oberhaus kämpfen – wieder mit Erfolg. Nun soll endlich eine Saison ohne großes Zittern folgen. Dafür setzt Spielertrainerin Vivien Werner auf einen großen Kader, der möglichst viele personelle und taktische Möglichkeiten bieten soll. In der fünften Hallensaison in Folge will sich der MTV möglichst früh von den Abstiegsplätzen distanzieren. Entscheidend dürfte sein, ob es gelingt, über die gesamte Spielzeit konstanter aufzutreten. Denn noch eine Zittersaison möchte man in Wangersen sicherlich vermeiden.

TSV Hagen 1860

Der TSV Hagen 1860 hat sich im Oberhaus festgebissen! Mit Platz sechs sicherten sich die Westfälinnen in der vergangenen Hallensaison den Klassenerhalt. Ein wichtiger Schritt auf diesem Weg war ausgerechnet der hart umkämpfte 3:2-Erfolg gegen den TV Brettorf. Auch auf dem Feld bewies Hagen anschließend, dass die Mannschaft in der höchsten Spielklasse mithalten kann. In der ersten Saison nach dem Aufstieg gelang mit Tabellenplatz sieben ebenfalls der Ligaverbleib. Damit darf der TSV nun erneut in beiden Bundesligen antreten. Unter dem Hallendach wird es vor allem darauf ankommen, die notwendigen Punkte gegen die direkte Konkurrenz einzufahren. Dass Hagen auch in engen Begegnungen bestehen kann, hat das Team bereits bewiesen. In einer ausgeglichenen Liga könnte genau diese Fähigkeit im Kampf um den Klassenerhalt wieder den Ausschlag geben.

Lemwerder TV

Kurioser geht ein Bundesliga-Aufstieg wohl kaum! Eigentlich hatte der Lemwerder TV nach der vergangenen Hallensaison wenig Grund zum Feiern. Durch einen Abzug von zwei Punkten landete die Mannschaft aus der Wesermarsch auf dem letzten Platz der 2. Bundesliga und musste sogar mit dem Abstieg in die Niedersachsenliga rechnen. Doch dann nahm die Geschichte eine überraschende Wendung: Da sämtliche besser platzierten Mannschaften entweder nicht aufsteigen wollten oder durften, erhielt ausgerechnet der Tabellenletzte die Chance auf das Oberhaus. Lemwerder sagte zu – und sorgt damit dafür, dass die 1. Bundesliga Nord wieder mit acht Mannschaften an den Start gehen kann. Für den LTV ist es nach 2023 der zweite Aufstieg. Damals folgte nach nur einer Saison auf Platz neun der direkte Wiederabstieg. Diesmal möchte man sich besser verkaufen. Personell bleibt das Team gegenüber der vergangenen Feldsaison unverändert, die ebenfalls auf Rang acht endete. Als klarer Außenseiter hat Lemwerder wenig zu verlieren.

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