DM-Serie: Die männliche U18 und der DM-Triumph 2017

22. Juli 2021

"Man muss einmal in seinem Leben an einer Deutschen Meisterschaft in Brettorf teilgenommen haben". Dieser Satz, der schon einmal unter süddeutschen Faustballern gefallen ist, ist wohl das größte Kompliment, das ein Faustballverein als Organisator hören kann. Von 1982 bis 2017 war der TV Brettorf bisher sieben Mal Ausrichter einer Deutschen Meisterschaft. Jede DM war dabei auf ihre ganz eigene Art besonders - sei es für Spieler, Trainer, Offizielle oder Fans. Gemeinsam mit damaligen Protagonisten blickt der TVB auf die bisherigen DM-Austragungen zurück.

Es ist das große Ziel, auf das man gemeinsam hingearbeitet hat: das Endspiel bei der Deutschen Meisterschaft auf heimischer Anlage. Alles ist bereitet für den großen Showdown zum Ende der nationalen Titelkämpfe auf dem Brettorfer Center Court, die Tribünen gefüllt, der rote Teppich ausgerollt. Nach einem Jahr Vorbereitung und akribischem Training fehlt für Marcel Osterloh und seine Teamkollegen am 10. September 2017 nur noch dieses eine Spiel, um die Titelverteidigung in der männlichen U18 perfekt zu machen…

Rückblick: Es hatte sich schon in den ersten Nachwuchsjahren angedeutet, dass beim TV Brettorf zwei starke Mannschaften durch die Jugendklassen marschierten. Bereits bei den Medaillengewinnen der männlichen und weiblichen U12 in Kellinghusen, ließ sich erahnen, wie viel Potenzial in den jungen Talenten steckt. In der weiblichen Jugend zählt auch Hannah Aschenbeck zu diesen Talenten. Mit sieben Jahren beginnt die Barelerin mit dem Faustballtraining. „Ich wollte damals unbedingt eine Mannschaftssportart ausprobieren und habe zwischen Handball in Neerstedt und Faustball in Brettorf geschwankt“, erinnert sie sich. Ihre Entscheidung fällt schließlich zugunsten vom Faustball – eine goldrichtige Entscheidung.

In ersten Jugendjahren erfolgreich

Ab der U12 ist sie mit ihrem Team erfolgreich und erlebt im TVB-Jubiläumsjahr mit ihrer weiblichen U14 eine ganz besondere Fahrt. Mit einem großen Reisebus fahren die weibliche und männliche U14 im September 2013, samt Fans, zur Deutschen Meisterschaft nach Bademeusel. „Das war eines der unglaublichsten Erlebnisse die ich hatte“, erzählt sie. „Die vielen Leute und der große Bus. Das ist in so einem Alter einfach unfassbar.“ Viel fehlt für sie und ihr Team nicht, dass sie mit einer Medaille nach Hause fahren, am Ende reicht es aber „nur“ zu Platz vier. Den Deutschen Meistertitel haben die Brettorfer trotzdem im Gepäck: Die männliche U14 bezwingt in einem spannenden Endspiel den TV Vaihingen/Enz – die Mannschaft von Dominik von Seggern und Marc Lange jubelt über ihren ersten großen Triumph.

Marcel Osterloh ist bei der Fahrt nahe der polnischen Grenze nicht dabei. Er spielt zu diesem Zeitpunkt bei seinem Heimatverein SV Moslesfehn, bei dem er mit fünf Jahren begonnen hat. „Meine Eltern haben früher beide Faustball gespielt. Es wurde mir sozusagen in die Wiege gelegt“, sagt er. Mit 15 Jahren entscheidet er sich für einen Wechsel in die Gemeinde Dötlingen. „Ich habe mich mit der Mannschaft schon vorher richtig gut verstanden“, erzählt Osterloh. „Ich wurde mit offenen Armen empfangen.“ Erfolge kann er gleich zu Beginn feiern. Bei der U16-DM 2015 in Großenaspe holt Brettorf den Meistertitel. Bejubelt wird dieser auch von Hannah Aschenbeck und der weiblichen U16 – die mit Platz vier das Podest wieder einmal nur hauchdünn verpasst.

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2016 steht dann fest: Ein Jahr später wird der TV Brettorf wieder einmal Ausrichter einer Deutschen Meisterschaft – und zwar der männlichen und weiblichen U18. Während die männliche U18 bei der Feld-DM in Bardowick eine gelungene Generalprobe feiert (Deutscher Meister), hat die weibliche U18 den Sprung zu den Titelkämpfen verpasst. Für beide steht aber fest: in den nächsten Monaten wird der Fokus einzig und allein auf die Heim-DM gelegt.

Konzentrierte DM-Vorbereitung

„Wir haben effektiv trainiert, um für die Meisterschaft in Form zu sein“, berichtet Hannah Aschenbeck. Marcel Osterloh und Co. bereiten sich sogar mit einer Turnierteilnahme bei den Obersee Masters in Jona auf die Meisterschaft vor. „Wir haben dadurch alle genügend Spielpraxis bekommen und konnten uns perfekt vorbereiten.“ Währenddessen wurde ihnen auch immer mehr bewusst, was diese DM für das gesamte Dorf Brettorf bedeutet. „Alle Eltern waren als Helfer eingebunden und je näher die DM kam, desto größer wurde die Vorfreude“, sagt Hannah Aschenbeck, die bereits einige große Veranstaltungen in Brettorf miterlebt hat. Für Marcel Osterloh ist das dagegen Neuland. „Klar hat man im Vorfeld schon etwas mitbekommen, aber dass das so groß aufgezogen wird und so eine geile Veranstaltung wird, damit hätte ich nicht gerechnet“, gesteht er. „Das ganze Dorf stand hinter einem.“

Sein Team muss sich zu Beginn der Vorrunde aber mächtig strecken, um nicht mit einer Niederlage in das Turnier zu starten. „Es hatte viel geregnet und der große Schlagmann von Dahlbruch hat und das Leben schwer gemacht“, erinnert sich Osterloh. Doch die Schwarz-Weißen setzen sich am Ende durch – und marschieren im Anschluss souverän zum Gruppensieg. Anders sieht es bei der weiblichen U18 aus. Die TVB-Mädels müssen sich gegen Schneverdingen und Calw geschlagen geben, schaffen mit Siegen gegen Wiemersdorf und Weisel aber auf Gruppenplatz drei den Sprung in die Qualifikationsspiele am Sonntag. „Die Vorrunde lief irgendwie überhaupt nicht rund“, erzählt Hannah Aschenbeck. „Wir haben uns als Mannschaft aber irgendwie durchgekämpft.“

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Am Sonntag bekommen es die Brettorferinnen dann mit dem MTV Wangersen zu tun. Auf der Landesmeisterschaft hatte man noch den Kürzeren gezogen – doch auf heimischer Anlage ließ sich Brettorf nicht bezwingen. „Der Druck war groß, wir waren alle super aufgeregt“, erinnert sich Hannah Aschenbeck. „Wenn man zu Hause spielt, dann will man natürlich so lange wie möglich dabei sein.“ Die Anspannung ist enorm, doch mit 11:8 und 11:9 kämpfen sich die Brettorferinnen ins Halbfinale. „Ich glaube ich habe nach dem Sieg sogar geweint vor Erleichterung“, gesteht die Barelerin. Das erneute Aufeinandertreffen mit dem TV Jahn Schneverdingen lässt die Träume der Brettorferinnen auf den Finaleinzug dann zwar platzen (7:11, 9:11) – doch die Chance auf eine Medaille bestand weiterhin. „Wir sind so oft auf dem verdammten vierten Platz gelandet, wir wollten diese Medaille unbedingt gewinnen“, sagt Aschenbeck. Gegen den TSV Pfungstadt versuchen die TVB-Spielerinnen alles, müssen sich schlussendlich aber mit 11:13 und 8:11 geschlagen geben – wieder Platz vier. „Wir haben bis zur letzten Sekunde daran geglaubt, dass es klappen kann. Am Ende war die Enttäuschung natürlich riesig.“

Beeindrucke Leistung im Finale

Die männliche U18 schafft es dagegen bis ins Endspiel – auch wenn das Halbfinale gegen den TV Wünschmichelbach ein hartes Stück Arbeit ist. „Es waren zwei unheimlich knappe Sätze“, erzählt Marcel Osterloh. „Wir mussten unser Getriebe erstmal vom Tag davor freibekommen und wachgerüttelt werden.“ Mit 11:7 und 11:9 zieht der TVB ins Finale ein, Erleichterung macht sich breit. Denn nach dem Titelgewinn ein Jahr zuvor haben viele Brettorfer Anhänger fest mit einer Finalteilnahme gerechnet. „Dass wir als Titelfavorit gehandelt wurden, war uns allen klar. Man konnte schon einen gewissen Druck spüren.“ Gegner im Endspiel ist Dauerrivale TV Vaihingen/Enz, der die Brettorfer ein halbes Jahr zuvor in der Halle bei der Titelvergabe bezwungen hatte. „Wir waren super heiß, sehr gut vorbereitet und wollten dieses Mal unbedingt gewinnen“, so Osterloh.

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Der rote Teppich ist ausgerollt, die Mannschaften betreten das Spielfeld, die Zuschauer jubeln, die Nervosität steigt. „Alle kennen einen, alle schauen auf einen. Wir sind mit Gänsehaut über den Teppich gelaufen. Auch wenn der Druck groß war, wir haben uns auf den Anpfiff gefreut“, sagt Osterloh. Und kaum ist der erfolgt, da liegen sich die Brettorfer Faustballer auch schon jubelnd in den Armen. Mit 11:3 und 11:5 gewinnt der TVB mit einer selten dagewesenen Dominanz das Endspiel. „Wir haben in diesem Spiel gezeigt, dass wir ein Jahr den Fokus komplett auf den Faustball gelegt hatten und welches Potenzial in uns steckt“, sagt Marcel Osterloh, der mit dem Großteil der damaligen Meistermannschaft heute für den TVB in der Bundesliga auf Punktejagd geht. „Ich glaube so perfekt wie in diesem Endspiel haben wir kein anderes Mal gespielt.“

Übrigens: Auch für Hannah Aschenbeck und einen Großteil ihres Teams endet die Zeit in der Jugend versöhnlich. Ein halbes Jahr später, bei der U18-Hallen-DM in Pfungstadt gewinnt der TV Brettorf den Deutschen Meistertitel...

Statistiken

Männliche U14

Kader TV Brettorf:
Vincent Neu, Hauke Spille, Tom Hartung, Nils-Erik Schütte, Moritz Cording, Marcel Osterloh, Hauke Rykena; Trainer: Tim Lemke & Klaus Tabke

Vorrunde:
TVB - TuS Dahlbruch 2:0 (11:7, 11;7)
TVB - TV Vaihingen/Enz 2:0 (11:7, 11:7)
TVB - TSV Lola 2:0 (11:3, 11:6)
TVB - TV Waibstadt (11:6, 11:5)

Halbfinale:
TVB - TV Wünschmichelbach 2:0 (11:7, 11:9)
Finale:
TVB - TV Vaihingen/Enz 2:0 (11:3, 11:5)

Endstand:
1. TV Brettorf (Niedersachsen), 2. TV Vaihingen/Enz (Schwaben), 3. NLV Vaihingen (Schwaben), 4. TV Wünschmichelbach (Baden), 5. TSV Lola (Schleswig-Holstein), 6. Ahlhorner SV (Niedersachsen), 7. TuS Wickrath (Rheinland), 8. Berliner TS (Berlin), 9. TV Waibstadt (Baden), 10. TuS Dahlbruch (Westfalen)

Weibliche U14

Kader TV Brettorf:
Rike Bode, Neele Meves, Leonie Steenken, Ida Hollmann, Luisa Koletzek, Jule Weber, Lena Luthardt, Alicia Poppe, Hannah Aschenbeck; Trainer: Karen Kläner & Malte Hollmann

Vorrunde:
TVB - Ahlhorner SV 2:0 (11:6, 11:8)
TVB - VfL Kellinghusen (11:6, 11:6)
TVB - TB Oppau 2:0 (11:4, 11:5)
TVB - TV Obernhausen 2:1 (11:6, 12:14, 11:7)

Halbfinale:
TVB - TK Hannover 0:2 (6:11, 11:13)
Platz 3:
TVB - Wardenburger TV 1:2 (11:7, 12:14, 9:11)

Endstand:
1. Ahlhorner SV (Niedersachsen), 2. TK Hannover (Niedersachsen), 3. Wardenburger TV (Niedersachsen), 4. TV Brettorf (Niedersachsen), 5. TSV Breitenberg (Schleswig-Holstein), 6. VfL Kellinghusen (Schleswig-Holstein), 7. TV Obernhausen (Schwaben), 8. TV Segnitz (Bayern), 9. TB Oppau (Pfalz), 10. TV Bretten (Baden)

Text: Sönke Spille
Interviews mit: Hannah Aschenbeck & Marcel Osterloh
Informationen & Fotos: Faustball-Information, Christian Kadgien, Chronik TV Brettorf

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